Warum wir Hundemythen so gern glauben?
- beaf96
- 27. Mai
- 2 Min. Lesezeit
und es bei vielen Hundemythen gar nicht um Hunde geht, sondern um den Mensch. Den Wunsch nach einfachen Antworten in einer komplexen Welt. Um das Bedürfnis, Probleme schnell zu lösen, statt sie wirklich zu verstehen.
Denn echten hinschauen ist unbequem.
Wer verstehen will, warum ein Hund z.B. aggressiv reagiert, muss sich mit Dingen beschäftigen wie:
Stress
Angst
Überforderung
Erfahrungen
Gesundheit und vieles mehr....
Das ist kompliziert/ komplex und es bedeutet auch sich selbst kritisch zu hinterfragen.
Einfacher ist die Erklärung: "Der Hund ist dominant"
Ein Satz, eine Ursache- scheinbar klare Lösung
Alles schnelle und einfache prägt die Hundewelt:
du musst härter sein
der respektiert dich sonst nicht
du musst Konsequent genug sein
klingt alles einfach und verständlich, denn einfache Antworten fühlen sich besser an als komplexe Themen.
Die meisten von uns wollen Verhalten stoppen, aber nicht verstehen.
Denn der Hund soll:
funktionieren
gehorchen
ruhig sein
sich anpassen
Warum er etwas tut ist zweitrangig.
Dabei liegt genau dort der Schlüssel-> Warum tut er das?
Ein Hund der “bellt"-> provosiert nicht, vielleicht ist er gestresst...
Ein Hund der "aggressiv" reagiert, ist nicht automatisch dominant-> vielleicht ist er unsicher...
Doch echtes Verstehen braucht Zeit. Und Zeit ist etwas, womit viel Menschen in der heutigen Zeit immer schlechter umgehen können.
Mythen entlasten den Mensch
Viele alte Denkweisen entlasten den Menschen emotional.
Denn wenn der Hund:
dominant
stur
manipulativ
respektlos
ist, dann liegt das Problem scheinbar beim Hund.
Nicht beim Alltag
Nicht beim Training
Nicht durch falsche Erwartungen und so viel mehr.
Mythen sind deshalb oft angenehmer, als wenn man sich selbst hinterfragen muss.
Warum alte Trainingsideologien kaum verschwinden und sogar aktuell wieder wachsen?
Viele Hundetrainer verkaufen etwas, was viele Menschen sich "wünschen"- Kontrolle, schnelle Problemlösungen.
Diese Trainer haben meistens ein grosse Reichweite, denn sie sind:
laut
emotional
provokant
scheinbar eindeutig.
sie zeigen vorher- nachher- Momente.
Ein Hund der zieht-> und wenige Minuten später "perfekt" läuft.
Ein Hund der bellt-> und plötzlich ist er still.
Für Zuschauer wirkt das beeindruckend, vor allem wenn sie selbst erschöpft, frustriert oder überfordert sind.
Problem gelöst, Verhalten gestoppt-> Wirklich?
Wenn Reichweite und "unkompliziert" oft mit Kompetenz verwechselt wird, denn viele glauben echte Veränderung müssen vor allem sichtbar sein und zwar schnell, deshalb funktionieren aversive Methoden kurzfristig- sie unterdrücken Verhalten.
Symptombehandlung statt echter Verhaltensveränderung.
Wer Verhalten aber wirklich ändern möchte, braucht meist mehr als schnelle Korrekturen:
Es braucht Geduld, Zeit und Verständnis, etwas was in unserer heutigen Gesellschaft immer seltener wird.
Beobachten statt sofort zu reagieren.
Verstehen statt kontrollieren.
Entwicklung statt schneller Ergebnisse.
Doch eine Welt, die überall Sofortlösungen verspricht, tut sich schwer mit Prozessen, die Zeit brauchen und deshalb werden Trainingsmethoden die "Sofortlösungen" versprechen kaum verschwinden.
Sie geben den Menschen das Gefühl, Kontrolle zu haben- selbst dann, wenn sie die eigentliche Ursache gar nicht lösen.
Vielleicht ist das genau der Punkt, den unsere schnelle Gesellschaft am wenigsten hören möchte:
Wirkliche Veränderung braucht Zeit!
Vielleicht sollten wir gerade in einer Zeit, in der alles immer schneller, einfacher und sofort funktionieren soll, wieder lernen wie wichtig Zeit, Verständnis und echtes Zuhören sind- nicht nur im Umgang mit unseren Hunden, sondern auch miteinander.





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